August 2008


Ihr wisst ja, ich bin nicht der Typ der schnell aufgibt – nach Hause fahren kam nicht in Frage – Was also muss man tun, um sich ein wenig heimischer zu fühlen?

Es hätte nichts Besseres in dieser Situation für mich geben können, als in den Zoo zu gehen!

Der Eintritt kostete nur € 1, es waren nicht viele Besucher da, aber an MittwochVormittagen wäre das auch eher überraschend. Genug jedoch, um einen Einruck von den Menschen zu bekommen. Viele Familien, viele Pärchen, viele Tiere – wie überall. Gutes Gefühl. Es gibt halt Dinge, auf die kann man sich verlassen. Das beruhigt ungemein.

Am Abend hatte ich eine Einladung zum Dinner, Saurabh mein indischer Verleger wollte mich willkommen heißen und ein wenig für mich sorgen… Wir fuhren zum Connaught Place, gingen irgendwo einmal um die Ecke, um in irgendeiner Tür zu verschwinden und fuhren mit dem Fahrstuhl eine Etage höher. Da war es dann, das andere Delhi.

Wir waren im Q’BA gelandet, einem tollen Restaurant, das Modernes mit indischen Flair perfekt verbindet. Wir saßen auf der Dachterrasse mit Blick auf den Park, ich trank einen Gin Tonic, aß Garnelen und indische Köstlichkeiten, im Hintergrund lief entspannender Minimal Electro – es hätte nicht schöner sein können.

Delhi wird mich nicht mehr los. Gibt es nur ein paar mehr von diesen Plätzen hier, kommt man mit dem Rest ebenso zurecht.

Das Sprichwort, das Glück ist mit den Mutigen trifft in dieser Stadt den Punkt. Man muss die dreckigen Treppenstufen hinabsteigen und die versüffte Tür öffnen, um in den schicken Telefon-Laden zu kommen, damit man sein SIM-Karten Konto aufladen kann. Man muss an den merkwürdig dreinblickenden Männern vorbei, um NiveaCreme, Müsli und Milch kaufen zu können. So ist das halt. Man sieht nicht alles auf den ersten Blick.

Der Schalter in meinem Kopf wurde im Q’BA umgelegt, ich mag mein Delhi schon jetzt, das Versteckte ebenso wie das Offensichtliche. Ich freu mich jeden Morgen auf die verrückte Fahrt durch die Stadt ins Büro und auf die nächste Tür die sich nach ein paar Treppenstufen öffnet.

Ich bleibe definitiv, Mission des zweiten Tages erfüllt – Was Dachterrassen so alles ausrichten können …

Ist heißt, stickig, dreckig, laut und voller Menschen.

Nachdem ich Dienstagvormittag in meiner Wohnung angekommen war und mein Bett mit meiner schönen neuen IKEA-Bettwäsche bezogen hatte, musste ich erstmal 3h schlafen. Nach dieser Wohltat dacht ich mir, okay was kannst du mit dem Rest des Tages in dieser Stadt anfangen? Ich ging eine Runde um den Block.

Mein erster Eindruck von Delhi war schrecklich. Es stank nach Abfall und Benzin, es war dreckig, die Leute auf der Strasse wirkten genauso erbärmlich wie der mit Schlaglöchern übersäte Asphalt, so etwas wie eine Strasse auslaufend in noch mehr Müll und Dreck. Okay es gab etwas Grün, aber was nützt das, wenn die Luft wie Fischsuppe ist.

Ich also meinen Lonely Planet geschnappt, um etwas Zeit in einem angenehmeren Teil der Stadt zu verbringen. Ich beschloss ins „Herz der Stadt“ zu fahren, zum Connaught Place. Ein riesiger Kreisverkehr mit einem kleinen Park in der Mitte, komplett gesäumt von säulengeschmückten Gebäuden aus der Kolonialzeit in denen Geschäfte, Restaurants, Banken, Hotels usw. untergebracht sind.

Dieser Platz ist etwa 7 km von meinem Viertel entfernt, ich hatte kurz überlegt zu Laufen, son kleiner Spaziergang um die Gegend kennen zu lernen … ganz ehrlich, es war mir zu gruselig.

Ich wusste von Arindita, wie viel eine Autorikshaw zum Büro kostet, zum Connaught Place wars in etwa dieselbe Entfernung, nach zwei Minuten war ich unterwegs, mittendrin im Verkehr.

 

Ja, es gibt Fahrspuren und es gibt Ampeln, es gibt sogar Zebrastreifen, aber wer braucht das alles schon?! Inder definitiv NICHT. Auf einer dreispurigen Straße fahren durchschnittlich drei Autos, zwei Autorikshaws, ein Moped und zumindest das Vorderrad einer Fahrradrikshaw. Das passt alles nebeneinander – rollend. Natürlich ist da kein Platz mehr für Außenspiegel, die sind meist eingeklappt, fehlen ganz (nicht abgebrochen oder so, es gibt Modelle OHNE) oder sind, wie bei den Autorikshwas, Innen angebracht. Weil man ja aber trotzdem möchte, dass der Vordermann weiß, dass man hinter ihm ist, hilft nur hupen. Und wie das klingt, wenn das nur ein drittel aller Fahrzeuge zur Rush Hour macht, könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Auf den Autorikshaws stehen deshalb für alle, die noch nicht so ganz Bescheid wissen, meist zwei kleine Hinweise:

KEEP DISTANCE und PLEASE HORN!

(in Schmuckschrift, mit verschiedenen Farben gestaltet, wegen der Individualität und so ne… :) )

Aber man merkt ziemlich schnell, dass absolut jeder dieses Chaos beherrscht, also zurücklehnen und den Fahrtwind genießen.

 

Am Connaught Place angekommen bot sich mir kein besseres Bild von der Stadt. Nachdem ich zwei Runden gegangen war und kurz im Park saß, empfand ich eine Dusche wichtiger als Land und Leute kennen zu lernen.

 

Das war alles ganz schön enttäuschend und ich dacht mir, okay, du gibst der Stadt zwei Wochen, fühlst du dich nicht besser hier, fliegst du halt wieder nach Hause.

Selbst das eigenständig gekochte Abendessen, zubereitet mit dem eigenständig in dieser merkwürdigen Welt gekauften Gemüse, hat da nicht viel geholfen…

was really hard. 

Nochmal ein Dankeschön an mein kleines Verabschiedungskomitee, war wundervoll euch da zu haben!

Der Flug nach London war nett, die Sandwiches absolut nicht mein Geschmack. In Heathrow hat alles wie am Schnürrchen geklappt, raus aus dem Flugzeug rein ins Shuttle, nach 20 Minuten war ich in meinem Abflugterminal – 3,5h Wartezeit blieben. Aber mit einer Süddeutschen und nem großen Milchkaffee vergeht die Zeit zum Glück entspannt schnell. Von der Wartelounge aus hatte man einen wunderbaren Blick auf die Startbahn, auf der im Minutentakt die Flugzeuge gen Himmel starteten, um genau nach 55 Sekunden im Dunst des Londoner Nachmittaghimmels zu verschwinden. Ein apokalyptischer Anblick, wie sie vom einen auf den anderen Moment vom Grau verschluckt wurden.

Nach und nach füllte sich der Raum mit den anderen Passagieren der Boing 777 nach Delhi, junge und alte Frauen in Sarees, Männer mit einer Hautfarbe so braun wie Kaffee, je nach Religion mit oder ohne Turban. Langsam begriff auch ich wo es jetzt hingeht, zum Teil überrascht die Klischees erfüllt zu sehen, zum Teil beruhigt, weil dann vielleicht der Rest ebenso berechenbar bleibt.

Ich flog der Nacht entgegen und hatte einen der wunderschönsten Sonnenuntergänge. Die weiche Abendröte auf dem Wolkenmeer und der klare Farbverlauf vom Rot zum Blau – ihr wisst was ich meine. Toll. Dazu gab’s die von Hannes empfohlene WhiskeyCola, die mir die Stewardess in einer 10cl Black Label / 15cl Cola Mischung reichte… ordentlich! Klar dass danach alles nur noch halb so schwer war und ich mich einigermassen entspannt dem Videokanal widmen konnte.

Jede halbe Stunde ein Kontrollblick auf die digitale Landkarte, wo bin ich gerade? bzw. Wie weit ist es noch bis Delhi? Hab die Tastenkombination so verinnerlicht, dass ich selbst im Halbschlaf die Route abrufen konnte. Auf Höhe des Schwarzen Meeres leuchtete ploetzlich der Mond vor mir auf, eine feuerrote Sichel, dazu der Sternenhimmel, ein Moment zum festhalten.

 

Frühstück gab’s um 4:30 Uhr morgens (nachdem das Abendessen umgerechnet 24 Uhr serviert wurde, ich hab kein Bissen runter bekommen, dafür zur Ablenkung Kung Fu Panda konsumiert. Die zentrale Botschaft am Ende des Films - du kannst alles schaffen, wenn du nur daran glaubst - und wir setzten zur Landung an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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