… dann kann er was erleben. Getreu nach dem alten deutschen Sprichwort hat sich meine liebe Freundin Franzi aus Dresden auf die lange Reise nach Lima gemacht, um mich und Peru zu besuchen. Und ich kann sagen, sie hat wirklich einiges erlebt: die neue Hauptstadt Lima, die alte Hauptstadt Cusco, das heilige Tal mit Pisac und Ollantaytambo und die verlorene Stadt Machu Picchu. Nicht zu vergessen der Abstecher in die Wüste von Nazca. Wenn ich all das erzählen wöllte, was uns in diesen zwei Wochen, die sie hier war, begegnet ist, könnte ich schon fast ein Buch damit füllen. Darum hier die Kurzvariante.
Es ist ja noch nicht so lange her, dass ich mit dem Taxi vom Flughafen den Weg nach Miraflores unternommen habe. Jetzt saß ich am Montag, den 6. Oktober, neben Franzi in einem Taxi und erinnerte mich, wie es für mich war, diese erste Fahrt durch Limas Straßen, dann plötzlich am Meer entlang, dem gewaltigen Pazifik, und endlich angekommen in Miraflores. Für mich war es dieses Mal wie nach Hause kommen.
Da am Mittwoch Feiertag war, haben wir gleich den Dienstag Abend genutzt, um das Nachtleben von Lima zu entdecken: Pisco sour, peruanisches Bier und viel Salsa waren dabei. Den nächsten Tag brauchten wir, um uns zu erholen, und am Donnerstag ging es dann schon auf nach Cusco, 20 Stunden Busfahrt, die wir irgendwie überstanden haben. Den Moment, als wir mit einer Zigarette auf dem Balkon unseres Hostelzimmers saßen und realisierten, dass wir gerade in der alten Inkahauptstadt, dem Touristenmekka Perus mit jahrhundertealter Geschichte auf mehreren tausend Metern Höhe angekommen waren, werden wir beide nicht so schnell vergessen. Wie auch so viele andere Momente. Zum Beispiel die Fahrt von Pisac nach Ollantaytambo, in einem Taxi, das nicht nur uns Zwei von A nach B brachte, sondern auch noch bis zu fünf andere Fahrgäste, einige davon im Kofferraum; der Ausblick von den weitläufigen Inkaruinen von Pisac auf das Tal des Río Urubamba; die Hitze und Weite der Wüste von Nazca und das kühlende Bad im Hotelswimmingpool unter freiem Himmel, um nur einiges aufzuzählen. Eines aber wird uns vor allem anderen immer im Gedächtnis bleiben: unser einstündiger, steiler, abenteuerlicher Aufstieg über alte Inkastufen hinauf nach Machu Picchu, mit wunderbarer Aussicht auf die bis zum Gipfel grünen Berge um uns herum, mit überraschten und auch bewundernden Blicken derjenigen, die uns auf ihrem Weg hinab entgegenkamen, und schließlich die Ankunft auf dem Berg, wo wir von zwei Trekkern mit Applaus begrüßt wurden, einem Israeli und einem Argentinier, die zusammen durch Peru wanderten und uns von anderen verlorenen Städten in den Bergen erzählten. Allein beim Schreiben fliegen mir schon wieder die Bilder durch den Kopf.
Für dieses Land braucht man viel mehr Zeit als wir hatten. Der Titicacasee, der Dschungel, die Städte der Nordküste und noch vieles mehr hätte uns zu Besuchen gelockt. Ehe wir uns versahen, waren die zwei Wochen vorbei, viel Geld ausgegeben, aber auch viele Bilder gespeichert, sowohl in der Kamera als auch im Kopf. Und schließlich kam der Montag des Abschieds. Wieder der Flughafen, den ich hoffentlich erst in vier Monaten wiedersehe. Ein seltsames Gefühl, in der Halle zu stehen und nicht selbst abzufliegen. Wir rauchten eine letzte Zigarette vor Franzis 15stündigem Flug, tranken einen Kaffee zusammen und dann verschwand sie hinter der Sicherheitskontrolle, auf dem Weg zurück nach Europa, nach Deutschland, das mir hier sehr fern vorkommt. Danke, Franzi, dass du hier warst.




























