Davon gab es in den letzten zwei Wochen erfreulich viele. Nach über drei Monaten in Rom, endlich der erste Besuch aus Deutschland. Für elf Tage. Man sollte meinen, genug Zeit, um die Stadt in all ihren Facetten zu zeigen und eine gute Chance für dieselbige ihren Zauber zu entfalten. Meint man. Wir waren im Theater mit Juliette Binoche, in der alten Hafenstadt Ostia Antica, einkaufen in den trubelreichen Markthallen meines Viertels, haben so manchen Aperitiv durchprobiert – von den Eissorten der stadtbesten Gelateria mal abgesehen –, haben gekocht, geredet, gelacht. Gereicht hat die Zeit natürlich vorne und hinten nicht! Jetzt, wo ich wieder alleine durch die Straßen schlendere, denke ich mir oft: Hey, das hast du ja ganz vergessen zu zeigen! (Tja, hilft nix. Musst du wohl nochmal wiederkommen!) Mitgebracht hatte Falko übrigens eine Brotbackmischung, die wir natürlich auch ausprobiert haben. Gutes deutsches Vollkornbrot mit einer richtigen Kruste: Wie ich das vermisst habe! Vom Brotbacken verstehen die Römer leider gar nichts. Zwar gibt es Kreationen, die meinen mithalten zu können, aber geschmacklich kommen sie eben doch nicht ran. Bei fünfzehn Euro für’s Kilo kann einem der Appetit auch schon vor dem Kosten vergehen.
Als wollte man mir nach der Abreise meines Gasts die Entwöhnung von deutscher Sprache und Kultur ein wenig leichter machen, kamen Montag und Samstag gleich drei Päckchen aus heimischen Gefilden von meiner Familie. Und eines vermochte es immernoch, die Freude des vorherigen zu übertreffen. Jetzt bin ich stolze Besitzerin zweier Adventskalender, einem Original Dresdner Christstollen und meiner ersten eigenen Weihnachtspyramide. Handgefertigt aus dem Erzgebirge, versteht sich. Und da ich eine waschechte Erfurterin bin, durfte auch eine Ansicht des Weihnachtsmarktes vor unserem Dom nicht fehlen. Beste Voraussetzungen also, um sich auf die Adventszeit einzustimmen.
Hier in Italien macht man bislang noch wenig Trubel. Für die Vorweihnachtszeit gibt es kaum Bräuche und selbst in den Supermärkten habe ich noch keine Schoko-Weihnachtsmänner erspäht. Stattdessen stapeln sich Panettone-Pyramiden. Wer Jan Weiler gelesen hat, kann nachvollziehen, dass ich mich von diesem trockenen, mit Zitronat und Orangeat gespickten Stollen-Fake gerne fernhalte. Dass die Römer um Weihnachten keinen großen Hehl machen, kann ich ihnen aber auch nicht verübeln. Wie kann ein Dezember ohne knirschenden Raureif unter den Füßen und ohne Eiskristalle an den Fensterscheiben schon auf eine besinnlich, gemütliche Zeit einstimmen? Einziger Indikator, da nehmen sich die beiden Länder wirklich nichts, ist die Werbung von Juwelier, Warenhaus und co, die freundlich zum Massenkonsum einladen. Was wie immer funktioniert. Das freut natürlich auch unsere Buchhandlung. Schon Anfang November hatten wir die ersten Kunden im Laden, die fragten, wann denn endlich die schönen Aventskalender kämen. Jetzt sind sie bei uns in der Kinderbuchabteilung der Bestseller.
Eine Erinnerung an die Heimat in ganz anderer Richtung, gab es für mich diese Tage in der U-Bahn. Auf den Infobildschirmen, wurde doch wirklich folgende Werbung eingeblendet.
Übersetzt: Kredit BHW. Der deutsche Kredit, der dein Haus beschützt. Schön zu sehen, welches Bild den Italienern glaubhaft gemacht wird. Deutschland, der Fels in der Brandung … der große, starke Schäferhund, der dein Wohlergehen behütet … komme doch, was wolle. Geht an den Meldungen über Weltfinanz- und anbrechende Wirtschaftskrise in Deutschland nur leider vollkommen vorbei. Also, schmunzelt, wundert euch, schreibt.
Ich verbleibe für heute mit vielen Grüßen aus Rom.
