Februar 2009


Mein letzter Monat in Peru ist angebrochen. Und es gäbe noch so viel zu sehen und zu erleben, hier in Lima genauso wie in diesem grossen, schönen, vielfältigen Land – der Dschungel, die Nordküste und viele der verstreuten kleinen Städte mit ihren Besonderheiten.
Was ich aber bis jetzt an Eindrücken mitnehme, ist schon beeindruckend:
Die wunderbaren Inkabauten und die traumhafte Landschaft rund um Cusco, die heissen Vorboten der Atacamawüste um Nazca, die alles austrocknen, und Zeichnungen im Boden, über deren Sinn jeder Peruaner seine eigene Spekulation betreibt.
Das koloniale Lima im Zentrum, wo sich die alten, früher glamourösen Filmtheater in Pornokinos und die ruhigen Flanierstrassen in langweilige, laute Einkaufsmeilen verwandlen. Das lebhafte Lima der Bars, Clubs, Diskotheken und Touristen in Barranco, dessen koloniale Gebäude als ursprüngliche Sommerhäuser der reichen Schicht Limas unter Denkmalschutz stehen. Das gefährlichere und hässlichere Lima in Chorrillos und La Victoria mit vielen, einfachen und immer vollen Salsógromos, Rumbas auf Betonfussballplätzen unter freiem Himmel, wo die Jugend bis in den Tag hinein feiert und regelmässig eine Schlägerei Gesprächsstoff für die nächsten Tage liefert. Und natürlich das ruhige und verhältnismässig sichere Miraflores, wo ich wohne, mit seinen vielen grünen Parks am Meer, wo nachts um zehn im Parque Kennedy einerseits die Familien mit ihren Kindern den Spielplatz bevölkern und sich andererseits die kosmopolite Jugend, die Touristen und die Pärchen treffen, um zu sehen, was die Nacht zu bieten hat.


Und ich werde es alles vermissen, wenn am 2. März zehn Minuten vor Mitternacht das Flugzeug, in dem ich sitzen werde, vom Flughafen Jorge Chávez in Richtung New York abhebt.

Hier auf der südlichen Erdhalbkugel ist fast alles (bis auf die religiös fest verankerten Festtage) um ein halbes Jahr verschoben. Winter ist Sommer und Sommer ist Winter. Während Eis und Schnee Europa und Nordamerika fest in der Hand haben, geniessen die Südamerikaner die Sonne und die Wärme. Man sieht die Menschen in den Strassen mit aufreizend wenig Kleidung am Körper, die Nächte sind noch lebhafter und länger als sonst, und sonntags einen ruhigen Fleck an einem der vielen Strände in und um Lima zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie auch am letzten Sonntag in Santa Maria, eine knappe Stunde südlich von Lima. Schon morgens gegen zehn werden die Handtücher ausgebreitet, die Sonnenschirme aufgestellt, die Kinder eingecremt und der erste erfrischende Sprung in kühle Wasser des Pazifik gewagt. Beneidenswert grosse Yachten schaukeln weiter draussen in der Bucht auf den Wellen und wir malen uns aus, wie wohl eine Fiesta in einem der Apartements in den Hängen rund um die Bucht wäre.

Ich bin überrascht vom starken Salzgeschmack, der mir nach jedem Tauchzug auf den Lippen zurückbleibt. Schon mittags, bei Muscheln als Vorspeise, serviert mit kleingehackten Zwiebeln und Tomaten in der Muschelschale, konnten wir uns die weissen Salzkrümel von den Armen streifen. Am Abend erschrecke ich beim Blick in den Spiegel: Ich habe mal wieder Sonnenbrand, trotz Sonnencreme. Jetzt bin ich für die nächsten Tage nicht mehr “la blanca” (die Weisse), sondern “la roja” (die Rote). Dafür komme ich dann braungebrannt nach Deutschland in den Frühling zurück.